Betaglukane – Die Immunität beginnt im Darm
Autorin: Lucy Garabas
Unser Körper ist Tag für Tag mit unterschiedlichsten Herausforderungen konfrontiert – mit Bakterien in öffentlichen Verkehrsmitteln, einem Virus, das ein Kollege mit ins Büro bringt, oder ganz gewöhnlicher Erschöpfung, auf die der Organismus manchmal stärker reagiert, als wir erwarten würden. Dass wir all das in den meisten Fällen ohne größere Folgen überstehen, verdanken wir unserem Immunsystem. Es handelt sich um ein erstaunlich intelligentes Netzwerk aus Zellen und Signalstoffen, das erkennt, was nicht in den Körper gehört, und gleichzeitig darüber wacht, dass auch körpereigene Zellen nicht zum Problem werden.
Genau deshalb wird immer häufiger darüber gesprochen, wie wir unser Immunsystem von außen unterstützen können – durch die Ernährung, einen gesunden Lebensstil oder gegebenenfalls Nahrungsergänzungsmittel. Zu den Substanzen, die in den vergangenen Jahren sowohl in der Wissenschaft als auch bei gesundheitsbewussten Menschen zunehmend Aufmerksamkeit erhalten haben, gehören Beta-Glucane. Schauen wir sie uns etwas genauer an.
Inhaltsübersicht:
- Was sind Beta-Glucane?
- Wie wirken Beta-Glucane?
- Was sagen wissenschaftliche Studien?
- Wie werden Beta-Glucane dosiert?
- Womit lassen sich Beta-Glucane sinnvoll kombinieren?
Was sind Beta-Glucane?
Beta-Glucane sind Polysaccharide – also lange Zuckerketten –, die der menschliche Körper nicht selbst herstellt. Sie kommen unter anderem in den Zellwänden von Pilzen, Hefen, Algen, Bakterien und bestimmten Getreidesorten vor. Besonders häufig werden sie im Zusammenhang mit dem Immunsystem erwähnt, da sie beeinflussen können, wie die körpereigene Abwehr auf Reize von außen und aus dem Körperinneren reagiert.

Wo kommen Beta-Glucane natürlich vor?
- Getreide – Hafer, Gerste
- Pilze – Shiitake, Reishi, Austernpilz, Chaga, Cordyceps, Löwenmähne
- Hefen – Backhefe und Bierhefe
- Meeresalgen
Wie wirken Beta-Glucane eigentlich?
Beta-Glucane gehören zu den sogenannten Immunmodulatoren. Nach der Aufnahme werden sie von Rezeptoren auf der Oberfläche bestimmter Immunzellen erkannt, beispielsweise von Makrophagen und dendritischen Zellen. Dadurch wird eine Kette verschiedener Reaktionen ausgelöst: Die Aktivität der Phagozytose nimmt zu – Immunzellen können Fremdstoffe aufnehmen – und es werden verstärkt Zytokine gebildet. Diese dienen gewissermaßen als Botenstoffe zwischen den einzelnen Zellen des Immunsystems.
Daraus ergeben sich verschiedene Effekte, die bei Beta-Glucanen besonders häufig untersucht werden. Sie können den Körper dabei unterstützen, besser auf Krankheitserreger zu reagieren, indem sie Immunzellen aktivieren und damit eine schnellere und effektivere Abwehr fördern. Im Zusammenhang mit Cholesterin zeigen Untersuchungen, dass ein regelmäßiger Verzehr bestimmter Beta-Glucane dazu beitragen kann, einen normalen Cholesterinspiegel im Blut aufrechtzuerhalten, was wiederum für Herz und Gefäße von Bedeutung ist. Ähnliches gilt für den Blutzucker: Beta-Glucane können die Aufnahme von Zucker nach einer Mahlzeit verlangsamen und dadurch zu einem gleichmäßigeren Anstieg des Blutzuckerspiegels beitragen. Darüber hinaus werden ihre antioxidativen und entzündungshemmenden Eigenschaften untersucht, die dabei helfen können, oxidativen Stress zu reduzieren.

Was sagen wissenschaftliche Studien?
Eine Studie aus dem Jahr 2023 untersuchte β-Glucan als biologischen Regulator und bestätigte dessen Fähigkeit, das Immunsystem zu modulieren. Besonders interessant ist, dass die Forschenden auch ein mögliches Potenzial im Zusammenhang mit Tumorzellen sowie Effekte auf den Cholesterinspiegel und die Regulierung des Blutzuckers beschrieben. Die Autoren weisen jedoch darauf hin, dass weitere Forschung notwendig ist, um das klinische Potenzial von β-Glucan vollständig zu verstehen.
Bereits einige Jahre zuvor, im Jahr 2007, veröffentlichten D. Akramiene und Kollegen in der Fachzeitschrift Medicina (Kaunas) die Arbeit „Effects of beta-glucans on the immune system" (zur Studie). Darin wird ausführlich beschrieben, wie Beta-Glucane Makrophagen, neutrophile Granulozyten und NK-Zellen aktivieren können – also Zellen, die eine wichtige Rolle bei der Abwehr von Infektionen und veränderten Zellen spielen. Die Autoren erwähnen außerdem ein mögliches Potenzial als Ergänzung zur Krebsimmuntherapie oder zur Unterstützung der Blutbildung nach einer Schädigung des Knochenmarks. Auch hier sind jedoch weitere klinische Studien erforderlich.
Konkretere Zahlen liefert eine Arbeit von Othman, Moghadasian und Jones, die 2011 in Nutrition Reviews veröffentlicht wurde und sich speziell mit Hafer-Beta-Glucan beschäftigte. Demnach können etwa 3 Gramm täglich bei Menschen mit normalen oder erhöhten Cholesterinwerten zu einer Senkung des Gesamt- und LDL-Cholesterins um etwa 5 bis 10 % beitragen. Der zugrunde liegende Mechanismus ist vergleichsweise einfach: β-Glucan bildet im Dünndarm eine viskose Schicht, die die Aufnahme von Cholesterin sowie die Rückresorption von Gallensäuren reduzieren kann. Der Körper muss dadurch neue Gallensäuren aus Cholesterin bilden, wodurch dessen Menge im Blut sinken kann.
Jiezhong Chen und Kenneth Raymond beschäftigten sich wiederum in ihrer Arbeit aus dem Jahr 2008 (Vascular Health and Risk Management) mit der Rolle von Beta-Glucanen bei Diabetes und den damit verbundenen kardiovaskulären Risiken. Ihren Ergebnissen zufolge könnten Beta-Glucane bei der Regulierung des Blutzuckers und der Senkung des Blutdrucks unterstützen – zwei wichtige Faktoren, die bei Diabetes eine besondere Rolle spielen. Außerdem erwähnen sie eine mögliche Unterstützung der Wundheilung sowie eine Verringerung von Herzschäden bei Ischämie.
Wie werden Beta-Glucane dosiert?
Die genaue Menge hängt davon ab, zu welchem Zweck Beta-Glucane eingenommen werden. Für die allgemeine Unterstützung bei gesunden Erwachsenen werden häufig etwa 100–200 mg täglich verwendet. Bei konkreten gesundheitlichen Beschwerden kann die Menge auch bei etwa 500 mg pro Tag liegen. In solchen Fällen ist es jedoch sinnvoller, die Dosierung mit einem Arzt abzustimmen, anstatt sie eigenständig festzulegen.
Beta-Glucane sind als Kapseln, Tabletten oder Pulver erhältlich. Natürlich lassen sie sich auch über die Ernährung aufnehmen – beispielsweise durch Haferflocken, Gerste, Vitalpilze oder Hefe. Bei Nahrungsergänzungsmitteln lohnt es sich in jedem Fall, auf Qualität zu achten, da sich Reinheit und Konzentration der enthaltenen Wirkstoffe je nach Produkt deutlich unterscheiden können.
Womit lassen sich Beta-Glucane sinnvoll kombinieren?
Beta-Glucane wirken im Körper nicht isoliert. Sie treffen dort auf zahlreiche weitere Stoffe, deren Eigenschaften sich teilweise sinnvoll ergänzen können. Einige Kombinationen sind deshalb besonders interessant:
Vitamin C. Als starkes Antioxidans trägt Vitamin C zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei und hilft dabei, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen. In Kombination mit Beta-Glucanen eignet es sich besonders für Zeiten erhöhter körperlicher oder psychischer Belastung sowie während der Erkältungssaison.
Zink. Zink trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei und spielt eine Rolle bei zahlreichen Stoffwechselprozessen sowie bei der Erhaltung normaler Haut. Zusammen mit Beta-Glucanen kann es daher eine interessante Kombination zur Unterstützung der körpereigenen Abwehr sein.
Probiotika. Ein ausgewogenes Darmmikrobiom steht in engem Zusammenhang mit der Funktion des Immunsystems. Beta-Glucane und Probiotika können sich hier sinnvoll ergänzen. Diese Kombination ist beispielsweise nach einer Antibiotikabehandlung oder bei einer gezielten Unterstützung der Darmflora interessant.
Kollagen. Kollagen ist ein wichtiger Bestandteil von Haut, Gelenken und Bindegewebe. Zusammen mit Beta-Glucanen kann diese Kombination insbesondere für sportlich aktive Menschen oder Personen interessant sein, die ihre Ernährung gezielt im Hinblick auf Haut und Bewegungsapparat ergänzen möchten.
Omega-3-Fettsäuren. Omega-3-Fettsäuren sind vor allem für ihre Bedeutung für Herz und Gefäße bekannt. In Verbindung mit Beta-Glucanen ergibt sich daher eine interessante Kombination für Menschen, die ihre Ernährung gezielt im Hinblick auf das Herz-Kreislauf-System und einen normalen Cholesterinspiegel ergänzen möchten.
Adaptogene wie Ashwagandha oder Reishi werden traditionell eingesetzt, um den Körper in belastenden Phasen zu unterstützen. In Verbindung mit Beta-Glucanen kann diese Kombination besonders in Zeiten erhöhter körperlicher oder psychischer Beanspruchung interessant sein.
Vitamin D trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei und lässt sich deshalb gut mit Beta-Glucanen kombinieren – insbesondere in den Wintermonaten, wenn die körpereigene Vitamin-D-Bildung durch Sonneneinstrahlung geringer ausfällt.
Kolostrum enthält unter anderem Immunglobuline und verschiedene bioaktive Substanzen. Beta-Glucane wiederum werden vor allem im Zusammenhang mit der angeborenen Immunantwort untersucht. Beide können sich daher als Bestandteile einer ausgewogenen Ernährung sinnvoll ergänzen und sind beispielsweise für ältere Menschen, sportlich Aktive oder Personen in körperlich anspruchsvollen Lebensphasen interessant.
Aufgrund dieser interessanten Eigenschaften haben wir uns bei Hanf-Gesundheit dazu entschieden, Beta-Glucane auch in unser Sortiment aufzunehmen. Eine Neuheit zur Unterstützung des Immunsystems ist bereits in Vorbereitung und wird Ihnen schon bald vorgestellt.
Sicherheit und mögliche Nebenwirkungen
Beta-Glucane gelten allgemein als gut verträglich. Dennoch sollte insbesondere bei Kindern, während Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei der Einnahme von Medikamenten oder bei bestehenden Erkrankungen vor der Verwendung eines Nahrungsergänzungsmittels Rücksprache mit einem Arzt gehalten werden.
Warum können Beta-Glucane eine sinnvolle Ergänzung im Alltag sein?
Beta-Glucane sind natürliche Stoffe mit einem vielseitigen Anwendungsspektrum und werden insbesondere im Zusammenhang mit dem Immunsystem, dem Cholesterinspiegel und dem Blutzucker intensiv erforscht. Ob über Lebensmittel wie Hafer und Gerste oder als hochwertiges Nahrungsergänzungsmittel – sie können eine interessante Ergänzung einer ausgewogenen Ernährung und eines gesunden Lebensstils darstellen. Bei gesundheitlichen Beschwerden, bestehenden Erkrankungen oder Unsicherheiten empfiehlt es sich jedoch immer, vor der Einnahme fachlichen Rat einzuholen.
